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St. Martin – Fest der Lichter

Am 13. November sollte erstmals in Leichlingen ein großes Fest zum Martinstag mit einem gemeinsamen Umzug aller Stadtteile und Schulen stattfinden. „St. Martin – Fest der Lichter“ wird nun aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt und auf das Jahr 2021 verschoben. Dennoch wird die Diskussion munter weitergeführt. Wie diese Diskussion abläuft, macht mich fassungslos.

Es geht um den Namen „St. Martin – Fest der Lichter“. In der Facebook-Gruppe „Leichlingen Info & offenes Forum“ mit rund 9.500 Mitgliedern wurde dieser Beitrag gepostet (alle Fehler im Original):

„Ich weiß das St. Martin dieses Jahr ausfällt. Nichtsdestotrotz würde ich gerne gegen diese Bezeichnung „St. Martin – Fest der Lichter“ vorgehen wollen. Ich weiß zwar noch nicht wie, finde aber den Zusatz „Fest der Lichter“ nicht in Ordnung. Wir haben dieses Fest aufgrund unserer christlichen Geschichte und ich bin nicht bereit es zweckzuentfremden. Was kommt als Nächstes – Weihnachten heißt dann „Fest der 4 Kerzen“?

Andere Kommentator*innen springen auf (alle Fehler im Original):

„Fest der Lichter ist im Phantasialand. St. Martin braucht keine Umbenennung. Oder setzt der Wahn der Umbenennung jetzt hier auch ein?“

„St. Martin ist St. Martin !! Was soll der scheiss mit Umbenennung von Traditionen ?!“

Ich finde es sollte so bleiben. Mekka ,oder Ala ,Zeus , Hindu werden auch nicht um genannt. Es geht ja um die Geschichte die dort hinter steckt . Und ich weiß nicht warum uns diese genommen wird.“

Als engagierter Kommunalpolitiker und neu gewähltes Mitglied im Integrationsrat kann ich dazu nicht schweigen. Diese Darstellung widerspricht nicht nur den Tatsachen. Es ist Hetze und zudem fremdenfeindlich. Bleiben wir sachlich:

Unter Federführung des Büro Bürgermeister wurde gemeinsam mit den interessierten Grundschulen Kirchstraße, Uferstraße und Büscherhof sowie der Feuerwehr, Polizei, dem Ordnungsamt und städtischen Bauhof die Veranstaltung geplant, die neben den Familien der Grundschulkinder auch viele Leichlinger*innen und Auswärtige anziehen soll. … Circa 750 Grundschulkinder werden dann [im Herbst 2021] beim „Fest der Lichter“ gemeinsam in einem großen Laternenumzug die Innenstadt zum Leuchten bringen. Natürlich angeführt von St. Martin auf seinem Ross und begleitet von Musikkapellen, die für Stimmung sorgen. Auf dem Marktplatz Brückerfeld wird im Anschluss gemeinsam gesungen, gefeiert, gegessen und gelacht, inklusive Martinsfeuer, Weckmännern und Martinsspiel. Sämtliche Fördervereine der Schulen haben sich bereiterklärt, die kulinarischen Versorgungsstände gemeinsam zu organisieren.“, so die Pressemitteilung der Stadt.

Es wird nichts umbenannt, wie die Kommentatorin in ihrem Eingangspost behauptet. Die Stadt organisiert eine Feier mit mehreren Schulen zu einem Feiertag und stellt sie unter ein Motto. Alle Teilnehmer sind eingeladen, selbstgebastelte Laternen und Fackeln zu tragen. Natürlich geht es beim Umzug um Lichter. Wir zünden so oft Lichter an, um damit Solidarität oder Mitgefühl zu zeigen, zum Beispiel bei Lichterketten oder der in der Kirche für verstorbene geliebte Personen. Das Licht ist ein zutiefst christliches Symbol, und es wird MIT dem Licht gefeiert als Symbol. Die Bezeichnung „Fest der Lichter“ ist vollkommen zutreffend und hat nichts mit Umbenennung oder Rücksicht auf andere Religionen zu tun. Es ist und bleibt das Martinsfest, das traditionsgemäß und ohne Veränderung gefeiert werden soll.

Hört doch bitte auf, da etwas hinein zu interpretieren, wo nichts ist, und lasst die Kinder feiern! Ich selbst habe Migrationshintergrund und bin als Kind sehr gerne bei den St. Martin-Umzügen mitgegangen und tue das immer noch gerne, inzwischen mit meinen Kindern. Viele mir bekannte muslimische Kinder und Familien in Leichlingen gehen sehr gerne beim St. Martinsumzug in Leichlingen mit. Auch habe ich noch von keinem Migranten oder Flüchtling in Leichlingen gehört, der einen Namenswechsel gefordert haben soll. Übrigens: Der Witzheldener Weihnachtsmarkt heißt Sternenzauber, und das Erntedankfest hat jedes Jahr ein anderes Motto.

Ich habe mich dazu durchgerungen, alle Kommentare auf Facebook bis zum Ende zu lesen.  

Bei folgenden Inhalten dachte ich kurzzeitig, ich sei bei einem Parteimitglied der AFD gelandet. Leider handelte es sich dabei um Franz Jung, den 1. Vorsitzenden der BWL – einer demokratischen Partei. Er schreibt:

„Ändern die, die nichtchristlicher Glaubens sind auch ihre Traditionen für die Christen????“

Und weiter:

„Ich kann es langsam nicht mehr verstehen. Alle deutschen Begriffe kommen auf den Prüfstand. Es ist keiner gezwungen in unserem Land zu leben. Wem es nicht gefällt kann gehen. Ein Armutszeugnis der Fa. Knorr ist schon, den Namen „Zigeunersoße“ auf den Produkten zu streichen. Zigeunerschnitzel ist Zigeunerschnitzel und Negerkuss ist Negerkuss was hat das mit Rassismus zu tun ?“

Ich finde, das ist rassistisch. Ich sehe es als Aufgabe der Politik und des Integrationsrates, Diskriminierung jeglicher Art frühzeitig entgegenzusteuern und ein friedliches Zusammenleben in einer demokratischen und multikulturellen Gesellschaft zu fördern. Ich finde es schon schlimm genug, dass kaum eine demokratische Partei in Leichlingen den neu gewählten Integrationsrat offiziell beglückwünscht hat. Da steht unsere Stadt in NRW fast allein da.

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